Wirecard-Skandal auch in der Ukraine spürbar

Die Wirecard-Insolvenz betrifft nicht nur deutsche Anleger, denn die moderne Welt ist globalisiert und das Echo ist auch in der Ukraine spürbar.

Die Ukraine gehört noch nicht zur EU, und die globalen Finanzakteure zögern, in ihren Markt einzutreten. Für ukrainische Unternehmen und Freelancer ist es ziemlich schwierig, ein Konto in Europa zu eröffnen. Viele Onlinedienste weigern sich, die ukrainischen Karten zu akzeptieren. PayPal schränkt immer noch die Funktionalität für ukrainische Benutzer ein. Daher ist es häufig erforderlich, nach ziemlich komplizierten Systemen für schnelle Geldtransfers zu suchen.

Viele ukrainische Freiberufler nutzen deshalb die Dienste weniger bekannter Fintech-Unternehmen. Eines davon ist das amerikanische Unternehmen Payoneer, das mit ukrainischen lokalen Banken zusammenarbeitet.

Was hat Wirecard damit zu tun?

Die Karten für Payoneer wurden von der britischen Firma Wirecard Card Solutions Limited (ein Tochterunternehmen der Wirecard AG) ausgestellt, deren Aktivitäten von der britischen Regulierungsbehörde FCA kontrolliert werden. Sobald man in Deutschland eine Untersuchung über den Verlust von 1,9 Milliarden Euro von Wirecard einleitete, beschloss FCA die Aktivitäten von Tochterunternehmen und verwandten Produkten der Wirecard AG zu blockieren. In den letzten Jahren sind die Ukrainer zu einem der aktivsten Benutzer des Payoneer-Systems geworden.

Payoneer erkannte sofort, dass die Lage bald problematisch sein könnte. Die Firma versuchte proaktiv zu agieren und veröffentlichte gleich zwei Blogbeiträge am 23. und 25. Juni über den Wirecard-Fall ([1], [2]). Trotzdem wurden am 26. die Konten der Karteninhaber gesperrt. Es stellte sich heraus, dass dieses System in der Ukraine von vielen Freiberuflern verwendet wird, die die Karten von Payoneer als Girokonto verwendet haben.

Diskussionen tauchen gleich in mehreren Tweets auf. Viele Benutzer haben damit begonnen, Screenshots von gesperrten Konten zu veröffentlichen.

"I lost my family savings with #payoneer and #wirecard"

Auf Change.org wurde sogar eine Petition erstellt, um Konten bei Payoneer zu entsperren. Auf Facebook wird dieses Problem in einer geschlossenen Gruppe diskutiert, in der in wenigen Stunden bereits etwa 1000 Teilnehmer dazugewonnen hat.

Es ist seltsam, dass Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt die Geschichte von Wirecard nicht verhindern konnten, aber dennoch dazu in der Lage waren, die Karten gewöhnlicher Benutzer schnell zu sperren. Dies ist auch ein Schlag für die deutsche Fintech-Branchen, denn der Geist von Wirecard wird noch lange alle deutschen Fintech-Projekte begleiten.

Über die Existenz des Unternehmens aus Aschheim hat man inzwischen auch in der ukrainischen Provinz erfahren, wo man auf verdientes Geld wartet, das leider über Wirecard-Karten ging.

P.S. Später wurde klar, dass ein ähnliches Problem bei Benutzern anderer Fintech-Startups auftrat: AnnaMoney, boon, Holvi, FairFX, Pockit und Curve sind ebenso betroffen.

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