Newoldstamp: wie man aus der E-Mail-Signatur ein Business-Angebot entwickelt

Im Interview mit Newoldstamp erzählt die Chief Marketing Managerin Helga Zabalkanskaya, wie man von einer Idee zum umsatzgenerierenden Unternehmen wird und was das Erfolgsgeheimnis auf dem amerikanischen Markt ist.

Ich traf das Team von NEWOLDSTAMP auf der Startup Allee der IT Arena Lviv Konferenz. Während des Gesprächs wurde es mir klar, dass dieses Unternehmen alles andere als ein Startup ist – hier geht es um ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

ITUADE: Ihr Startup verspricht ein Problem mit der E-Mail-Signatur zu lösen. Warum ist es eigentlich ein Problem?

NEWOLDSTAMP: Mit unserem Service können Benutzer schnell und einfach eine interaktive und ansprechende E-Mail-Signatur für sich und ihr Team erstellen. NEWOLDSTAMP dient auch als Plattform zur Vermarktung per E-Mail-Versand, denn die Emails kann man auch als zusätzlichen Marketingkanal sehen.

Nehmen wir an, Sie haben beispielsweise 30 Mitarbeiter und jeder von ihnen versendet zehn E-Mails pro Tag. Pro Monat sprechen wir also von 6000 Marketing- und Branding-Botschaften.

Und anstatt eine langweilige und gewöhnliche Formulierung wie „Mit freundlichen Grüßen, Helga“ zu verwenden, setzen wir auf den Wow-Effekt, wenn ein Brief mit einer Unterschrift ankommt, die ein Foto, ein Logo, Links zu den sozialen Netzwerken oder relevante Kontakte enthält.

ITUADE: Das heißt, NEWOLDSTAMP kann als Werbe- und Marketinginstrument betrachtet werden.

NEWOLDSTAMP: Nicht nur. Es spart auch enorm viel Zeit. Als ich bei der deutschen Firma Häfele arbeitete, wurde einmal im Monat ein Brief an die Mitarbeiter versendet, in dem wir aufgefordert wurden, unsere Signatur zu aktualisieren, da sich das Logo geändert hat oder das Unternehmen an einer Ausstellung teilnimmt. Jeder Mitarbeiter sollte es selber anpassen. Die meisten Mitarbeiter haben einfach nicht darauf geachtet.

Dank unserer Services muss die Signatur nur einmal festgelegt werden. Die automatischen Updates kann man über unser System vornehmen.
Meistens wird die Signatur von einem Designer oder Programmierer vor Ort zusammengestellt, was wiederum zusätzlichen Aufwand bedeutet. Bei uns kann jeder die Signatur aus unterschiedlichen Templates selber einfach und leicht erstellen und eigene interaktive Elemente hinzufügen. Das spart Zeit und Geld unserer Kunden und eröffnet neue Kommunikationsmöglichkeiten auch für Ihre Firma.

ITUADE: Wie kam es zu dieser Idee?

NEWOLDSTAMP: Es war einmal... :) unser Gründer Volodymyr Zastavnyy hatte eines Tages ein Erlebnis mit der Erstellung von E-Mail-Signaturen, die er für eine größere Belegschaft einrichten musste. Mit einer Vorlage sollte er über 100 Signaturen erstellen und installieren. Eine sehr spannende und anspruchsvolle "Beschäftigung".

ITUADE: Und irgendwann ab 90. Signatur kam die Idee, alles zu automatisieren…

NEWOLDSTAMP: Ja, ungefähr so. Das MVP-Produkt wurde im Jahr 2015 erstellt. Dies war eine kostenlose Version. Nach einem Jahr war klar, dass die Nachfrage vorhanden ist und immer mehr die Benutzer immer häufiger nach zusätzlichen Funktionen fragten.

Dementsprechend wurde eine kostenpflichtige Version eingeführt. Sobald der erste Verkauf abgeschlossen war, wurden zwei weitere Mitarbeiter eingestellt.

So sind wir bis heute auf ein Team mit 12 Mitarbeiter gewachsen. Ohne Investitionen, alles finanziert über ein laufendes Geschäft. Wir unterstützen das sogenannte Bootstrapping-Geschäftsmodell von SaaS.

Im Moment setzen wir bereits die dritte Version unserer Plattform ein, die mehr als 1.000.000 Unterschriften versendet hat. Die Webseite erreicht 300.000 Besuche pro Monat. Mehr als 35.000 Nutzer arbeiten mit diesem System, darunter zahlende 10.000 Kunden.

ITUADE: Wer ist Ihr typischer Kunde?

NEWOLDSTAMP: Unsere Kundschaft ist ziemlich breit gefächtert. Es geht oft um die KMUs mit 5 bis 100 Mitarbeiter. Es gibt auch Kunden mit Tausenden von Benutzern. Zum Beispiel ist Lyft einer der größten unseren Kunden. Es ist der stärkste Uber-Konkurrent in den Vereinigten Staaten.

Außerdem benutzen unsere Dienste auch mehrere Universitäten und gemeinnützige Organisationen mit vielen vielen Unterschriften.

ITUADE: Lyft klingt echt sehr cool. Wie kann eine kleine Firma so einen riesen Konzern überzeugen und wie kommt man auf den begehrten US-Markt?

NEWOLDSTAMP: Normalerweise gibt es auf dem amerikanischen Markt bereits den einen oder anderen großen Konkurrent. Er hat sich bereits etabliert, hat Verbindungen und höchstwahrscheinlich finanzstarke Investoren.

Aber geben Sie nicht auf! In der Wirklichkeit hängt es vom Produkt ab. Wenn es um SaaS geht, spielen die SEO-Optimierung und das Content Marketing eine große Rolle.

Kommunizieren Sie in verschiedenen Gruppen in sozialen Netzwerken. Dies ermöglicht der Community aufzubauen, die dann auf Ihre Anfrage hin Informationen über Sie weitergibt.

Für eine schnelle Injektion sollten Sie außerdem auf Plattformen wie ProductHunt oder AppSumo werben. Die Benutzer geben viele Rückmeldungen, die für die Produktentwicklung nützlich sind.

Darüber hinaus sollten Sie versuchen, mit Bloggern und Vloggers zusammenzuarbeiten. Es ist normalerweise sehr schwierig (und teuer!) mit den bereits sehr bekannten Bloggern den Kontakt aufzunehmen. Es lohnt sich also die. sog. Hidden Champions auszusuchen, die bereits eine klar definierte Zielgruppe haben.

Wenn man noch Geld übrighat, kann man eine PPC-Kampagne erstellen – das wird auch nicht schaden.

Aber das Inbound-Marketing bleibt jedoch die effektivste und beständigste Strategie.

ITUADE: Ich habe gemerkt, dass Sie auch eine spanische Version auf der Website haben.

NEWOLDSTAMP: Wir haben ursprünglich nur mit einer englischen Version gearbeitet. Aber man braucht langfristig eine mehrsprachige Lösung. Deshalb haben wir eine spanische Version gestartet, um zu testen, welche technische Herausforderung auf uns zukommen und welchen Aufwand es darstellt. An dieser Version arbeiten wir immer noch. Der ganze Prozess war nicht so einfach, wie wir es uns das vorgestellt hatten :) Aber sobald alle Anpassungen und die Änderungen abgeschlossen sind, werden wir andere Sprachen freischalten.

Deutsch ist die nächste Sprache auf unserer Liste. Und deutsche Besucher sind die zweitstärkste Besuchergruppe innerhalb der EU-Ländern. Wir merken das wachsende Interesse und das Marktpotenzial ist vorhanden. Wir haben Tausende Besucher aus Indien, davon aber nur 3 zahlende Kunden.

Die Besucherzahl aus Deutschland stieg im letzten Jahr um 400%. Aktuell ist unsere Lösung besonders interessant für Firmen bis 10 Mitarbeiter. Es geht also um kleine Unternehmen und Freiberufler. Wir haben aber auch ein paar Kunden mit 50 bis 100 Mitarbeiter. Europäische Kunden sind interessant, weil die Kaufkraft und die Bereitschaft zum Bezahldienst vorhanden ist.

ITUADE: Dann wünsche ich Euch viel Erfolg auf dem deutschen Markt!

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