Motor Sitsch: chinesische Investoren kaufen einen altbewährten ukrainischen Triebwerkbauer

Der skandalöse Kauf des ukrainischen, strategischen Unternehmens Motor Sich steht kurz vor seinem Abschluss.

Dieser Deal wurde heftig kritisiert und US-Diplomaten zwangen die Ukraine dazu, den Verkauf des Werkes an China zu verhindern. Denn es geht um eine einzigartige Firma mit zahlreichen Patenten und jahrelanger Erfahrung in der Herstellung von Flugzeugmotoren – und diese besitzt die Firma noch aus Sowjetzeiten.

Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von Flugzeugtriebwerken sowie Gasturbinen. Motor Sitsch belieferte Kunden in ganz Russland mit Motoren, vor allem jedoch die russische Armee. Dennoch liefen die Geschäfte von Jahr zu Jahr schlechter. Die einseitige Abhängigkeit von einem einzigen Absatzmarkt machte sich bemerkbar.

Auf der Suche nach Investoren stießen die Ukrainer auf diejenigen chinesischen Firmen, die in ganz Europa technischen Unternehmen im Eiltempo aufkaufen. Der geplante Kauf wurde gleich von mehreren Seiten heftig kritisiert, dennoch waren die Chinesen am Kauf interessiert. Die Ukrainer sind allerdings froh, dass so eine Firma nicht direkt an Russland verkauft wird.

Skyrizon Aircraft und Xinwei Technology Group übernahmen 50%+1 Aktien des Unternehmens. Die vorhandenen Werke sollen nicht geschlossen werden und weiterhin Triebwerke herstellen. Die Investoren gaben der Firma gleich 100 Millionen US-Dollar und im nächsten Jahr werden ihr weitere 150 Millionen überwiesen.

In den USA befürchtet man, dass der Deal die Sicherheit des Landes gefährden könnte, da er das militärische Potenzial von China stärken würde. Möglicherweise stecken auch Russen hinter diesem Deal. Diese Vermutung wurde vom Berater des US-Präsidenten John Bolton geäußert und in vielen US-Medien diskutiert.

Die ukrainische Seite hatte jedoch keine große Auswahl – früher oder später mussten sie das Werk an die Russen verkaufen oder es einfach schließen. Der westliche Investor wagte nicht, in den ukrainischen Markt einzusteigen, und ohne eine ausreichende Finanzierung für Motor Sich war es schwierig, in neue Märkte einzusteigen. Das Ende war nah und dann kamen die Chinesen.

Der Deal muss noch vom örtlichen Antimonopol Komitee überprüft werden. Die 50%-1 Aktie wird die Ukraine weiter behalten sowie einige wichtige Patente, jedoch beginnt für Motor Sich eine neue Ära.

Die Luftstreitkräfte der Volksrepublik China setzen bereits Motor-Sich-Triebwerke aktiv ein – das ukrainische Triebwerk ist in einem Trainingsflugzeug vom Typ Hongdu L-15 Falcon verbaut. Die Grundlage der chinesischen Militärluftfahrt basiert zudem auf der Weiterentwicklung von sowjetischen und russischen Waffen, die auch die ukrainischen Motoren nutzen.

Die Europäer schauen teilnahmslos zu

Und was ist mit der EU und mit Deutschland im speziellen? Während europäische Beamte über die Rolle Europas in der Welt sprechen, kaufen chinesische Firmen auf der ganzen Welt attraktive Technologieunternehmen auf.

Im letzten Jahr scheinen deutsche Behörden bemerkt zu haben, dass immer mehr Hightech-Betriebe in die Hände chinesischer Investoren übergegangen sind. In der Presse wurden mehrere Berichte darüber veröffentlicht. Berlin möchte den Verkauf deutscher Firmen gesetzlich erschweren.

Gleichzeitig betreten deutsche Investoren selten unbekannte Märkte. Offensichtlich werden die "chinesischen" Hubschrauber in einigen Jahren mit ehemaligen ukrainischen Motoren auf den Weltmärkte kommen. Darüber hinaus wird die russische Verteidigungsindustrie jetzt nicht mehr vom örtlichen ukrainischen Hersteller, sondern von China abhängen. Die Europäer beobachten vom Spielfeldrand aus, wie sich Märkte und Einflusszonen verschieben.

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