China vs. Deutschland: Kampf um Aufträge auf dem ukrainischen Markt

Die Energiewende führt dazu, dass man in Deutschland genug Strom produziert. Die alten Kraftwerke sind immer noch im Betrieb, dazu kommen neue Windräder und Solaranlagen. Deutschland exportiert den Strom, aber mit jedem Jahr wird er immer teurer. Die Preise werden weiter steigen. Der Ausstieg aus der Kohleproduktion wird uns irgendwann dazu zwingen den Strom in großen Mengen zu importieren.

Erneuerbare Energien setzen ihren Trend nicht nur in Deutschland, sondern auch in Osteuropa. Aufgrund der niedrigen Preise ist es dort einfacher, große, ehrgeizige Energieprojekte umzusetzen.

Erneuerbare Energie als Chance

Die ukrainische Wirtschaft setzt mit Hilfe europäischer Partner auf Energie aus erneuerbaren Quellen. Die offizielle Energiestrategie geht für das Jahr 2035 von einem Anteil an erneuerbaren Energien von 25 Prozent aus.

Doch es gibt einen Haken. Die alten ukrainischen Eliten nutzten diese Energiewende für sich aus. So entstand der sogenannte "grüne Tarif" (2009). Der Staat verpflichtet sich den Strom aus erneuerbaren Quellen für einen hohen Preis abzukaufen. Das bereicherte viele ukrainische Oligarchen und Politiker. Der grüne Energiemarkt wurde streng reglementiert. Außerdem konnten ausländische Investoren nicht in den Markt eintreten.

Die Energie von gestern: der Alltag unter Tage

Nach 2014 wurde die Korruption bekämpft und der grüne Tarif wurde schrittweise den normalen Tarifen angeglichen, dennoch blieb es für die Investoren interessant, denn der Strompreis für den Strom aus den erneuerbaren Quellen blieb nach wie vor hoch. Derzeit steigen ausländische Anbieter in den Energiemarkt ein.

Die Ukraine produziert genug Strom für sich selbst und hat diesen in den letzten Jahren aktiv nach Osteuropa exportiert. Man rechnet für 2019 mit einem Exportvolumen bei ca. 6,42 Millarden kWh. Darüber hinaus kann überschüssiger Strom aktiv eingesetzt werden, um russisches Gas zu ersetzen.

EU-Kredite für deutsche Exporte

Auf dem jüngsten Wirtschaftsgipfel in Davos stellte die ukrainische Seite das Projekt des Windparks Syvash vor. Die Norwegische Firma NBT arbeitet mit den Franzosen aus Total-Eren an diesem Projekt zusammen. Der Windpark mit einer Leistung von 250 Megawatt wird von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Kreditvolumen 150 Millionen Euro) finanziert. Zum Vergleich: die elektrische Leistung des größten deutschen Onshore-Windparks in Holtriem beträgt 207 Megawatt.

Onshore Windpark Botievskaya mit den Turbinan Vestas V112 aus Dänemark

Man muss darauf hinweisen, dass das Geld durch den Kauf von Produktionsanlagen in der EU in die EU-Wirtschaft zurückfließen wird. Die Bauteile und Maschinen werden oft in Deutschland gekauft. Der Hamburger Windkrafthersteller Nordex wird die Turbinen für dieses Projekt liefern. Das ist der erste Auftrag aus der Ukraine für diese Firma. Nordex beliefert die erste Bauphase des Projektes mit einem Volumen von 133 Megawatt. Die Ukrainer bestellen 34 Anlagen vom Typ N131/3900. Das komplette Projekt wird voraussichtlich im Jahr 2020 fertig gestellt sein.

"Made in Germany" spricht (noch) für sich, aber der Markt in der Ukraine ist begehrt und manchmal übersehen wir neue Akteure.

Chinesische Gefahr

Chinesische Investmentfonds waren in den letzten Jahren auf dem ukrainischen Markt besonders aktiv. Fast in jeder Branche gibt es erfolgreiche chinesische Firmen. Wie im Fall von Huawei spricht man sehr oft über die Nähe zur chinesischen Regierung. Geht es bei den chinesischen Projekten um staatliche Interessen oder um rein kommerzielle Ziele?

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und der EU sehen seit langem wie ein schleichender Wirtschaftskrieg um Einfluss-sphären aus. China versucht, mit jedem europäischen Land Projekte separat auszuhandeln. Zu diesem Zweck arbeitet China aktiv im Format "16+1".

Große Projekte werden in jedem Land separat umgesetzt. Das europäische Prinzip der einstimmigen Abstimmung wird wiederum dazu verwendet, gewisse Entscheidungen zu unterbinden, die China schaden könnten. Dank des Versprechens, große Infrastrukturprojekte umzusetzen, lockt China immer mehr Länder in Ost- und Südeuropa an.

Windpark Botievskaya von DTEK mit einer Leistung von 200 Megawatt

Die Ukraine gehört nicht zum "16+1"-Format, dennoch spielt die Nähe zur EU eine enorme Rolle. Die Aussichten für eine EU-Mitgliedschaft sind noch unklar und das schreckt viele Investoren ab, außer China. China sieht hier eher eine Chance.

Die chinesischen und deutschen Hersteller agieren auf diesem Markt sehr oft als Zulieferer der wichtigsten Bauteile. DTEK, ein führendes privates Energieunternehmen der Ukraine, unterzeichnete einen Liefervertrag für das größte Solarkraftwerkprojekt des Landes "Pokrovskaza SPP" mit einer Leistung von 323 Megawatt. Die PV-Module wird die chinesische Firma Risen Energy liefern. Transformatoren, Verteilergeräte und Steuersysteme kommen von Siemens.

Deutsche Investoren drängen auch auf den Markt. Ausgerechnet in Tschernobyl wird Strom produziert. Zusammen mit dem ukrainischen Partner plant Enerparc AG eine Ein-Megawatt-Solaranlage in der Nähe des zerstörten AKW-Reaktors. Die Firma aus Hamburg betreibt mehrere Photovoltaik-Großkraftwerken mit einer Gesamtleistung von nahezu 100 Megawatt.

In den kommenden Jahren werden die Hersteller in der EU und in Deutschland weiterhin die Chance haben, die Chinesen in diesem Markt aktiv zu bekämpfen. Wir müssen jedoch schneller handeln als bisher. In Bezug auf die lokalen Gegebenheiten und Flexibilität sind die Chinesen aktiver als die Deutschen und die EU. Die Expansion chinesischer Interessen verringert direkt die wirtschaftliche Rolle Deutschlands in der Welt. Dieser Trend kann noch korrigiert werden, aber man muss zeitnah handeln.

 

Photos aus DTEK Media Center

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