Die Zahl der ukrainischen Studenten in Deutschland steigt nur leicht an

Im Jahr 2018 studierten in Deutschland nur 7037 Studenten aus der Ukraine – so viele wie nie zuvor. Aber in den letzten Jahren wählten immer mehr Ukrainer ein anderes Land als Deutschland, für ihr Auslandsstudium.

Seit Jahren wird in der Presse darüber spekuliert, ob Deutschland als Magnet für ausländische Studenten gilt. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Zwar ist das Studium in Deutschland kostenlos, aber die hohen bürokratischen und finanziellen Hürden sind für viele kaum überwindbar.

Laut dem Bericht "Wissenschaft weltoffen 2019" gab es in Deutschland im letzten Jahr ca. 2,84 Millionen Studierende, davon nur 13,2% (374.583) Ausländer. Somit ist nur etwa jeder Siebte Studierende ein Ausländer. Doch hier muss man wiederum zwischen Bildungsausländern (9,9%) und Bildungsinländern (3,3%) unterscheiden. Mehr als die Hälfte der Bildungsausländer studieren Ingenieurwissenschaften – Hier spricht "Made in Germany" immer noch für sich.

Die wichtigsten Herkunftsländer sind China (36.915) und Indien (17.294), die zusammen fast 20% aller ausländischen Studenten in Deutschland darstellen. Hier muss man sich nicht wundern, denn diese beiden Länder machen wiederum fast 37% der Weltbevölkerung aus. Unter den Top10 findet man auch Studierende aus den Nachbarländern Österreich, Italien oder Frankreich. Syrien, Iran und die Türkei mit jeweils fast 7500 Studenten landeten ebenfalls in den Top10. Zum Vergleich hat man aus den USA nur 6158 Studenten – das wiederlegt den Mythos, dass Deutschland wegen seines kostenlosen Studiums unter Amerikanern sehr populär sei.

Die Ukrainer mit 7.037 Studenten sind im Jahr 2018 nur auf dem 11 Platz der wichtigsten Herkunftsländer.

 

Der Anstieg der Zahl von ukrainischen Studenten in Deutschland verlangsamte sich in den letzten zwei Jahren (2016, – 6.941, 2017 – 7.000 Studenten). Deutschland war einerseits schon immer sehr beliebt unter ukrainischen Studenten, aber ebenso schwer zu erreichen. Die deutsche Sprache stellte dabei das kleinste Problem dar. Denn die größte Hürde ist die Finanzierung – das Studium an sich ist zwar kostenlos, aber für ein Studentenvisum brauchen die Ukrainer einen Finanzierungsnachweis. Dabei geht es um eine Verpflichtungserklärung – man findet jemanden in Deutschland, der bereit ist, für die Lebenshaltungskosten der Studenten zu sorgen. Es ist klar, dass solche Fälle eher die Ausnahme sind.

Meistens müssen die Ukrainer auf ein Sperrkonto in Deutschland einen Sicherheitsbetrag überweisen. Und es geht um eine, sogar für deutsche Verhältnisse, erhebliche Summe. Für das Jahr 2018 musste man 8640 Euro zur Seite legen – also genau 720 Euro, die man dann monatlich abheben kann. Ab dem Januar 2020 erhöht sich diese Summe auf jährlich 10.236 Euro – ungefähr so viel Geld benötigt ein Student pro Jahr in Deutschland. Für ukrainische Verhältnisse ist diese Summe ungefähr das 2,4-fache des durchschnittlichen Jahreseinkommens. Gleichzeitig haben die Ukrainer keinen Anspruch auf BAföG oder bekommen auch keines der zahlreichen Stipendien, die meistens entweder Einheimischen oder EU-Studenten gewährt wird.

Deshalb ist es kein Wunder, dass die ukrainischen Studierenden sich für andere Länder als Deutschland entscheiden. Dabei profitieren vor allem andere EU-Länder mit günstigeren Bedingungen. 55% der ausländischen Studenten in Polen kommen aus der Ukraine. In den letzten Jahren stieg diese Anzahl von 9747 Studenten im Ausbildungsjahr 2012/13 auf 35584 im Jahr 2016/17.

Nicht nur Kanada oder die USA profitieren von der qualifizierten Einwanderung, sondern auch Länder wie Polen.

Das könnte für Sie auch interessant sein...
  • Generic placeholder image
    #CSYOU: schlecht gemacht oder gut vermarktet?
    Das Video von #CSYOU wurde sehr schnell zu einem viralen Desaster im Internet. Die Partei ist nicht beliebt unter den Youtube-Usern, aber die Partei hat es trotzdem gewagt ein Video hochzuladen. Am Ende kann man sogar von einem Erfolg sprechen. Die Zahlen sprechen für sich.
  • Generic placeholder image
    SoftServe und EPAM legen kräftig zu
    Die ukrainischen IT-Konzerne wachsen weiter – gleich zwei Firmen knackten ihre Mitarbeitergrenze von 7000 Mitarbeitern.
  • Generic placeholder image
    "Ich bin hier privat": Journalisten in den sozialen Medien
    So gut wie alle deutschen Journalisten haben ein Profil in den sozialen Medien. Viele davon meinen, dass man bei Twitter oder Facebook "privat" unterwegs sein kann. Aber wie "privat" kann ein Journalist twittern?
Kommentare
We are looking for projects

If you have experience in using outsourcing or you can advise a firm

Contact us!