"Ich bin hier privat": Journalisten in den sozialen Medien

So gut wie alle deutschen Journalisten haben ein Profil in den sozialen Medien. Viele davon meinen, dass man bei Twitter oder Facebook "privat" unterwegs sein kann. Aber wie "privat" kann ein Journalist twittern?

Alle gehen in die sozialen Medien, denn man findet dort viele weitere Kanäle für die Kommunikation mit seinen Lesern bzw. seinem Publikum.

In einem Tweet oder FB-Post kann man mehr schreiben, als sonst in einem Tagesblatt erscheinen kann. Die Wortwahl kann freizügiger sein. Die Betonung kann entsprechend schärfer sein. Die Themen kann man selbst bestimmen. Damit wird jeder Journalist zum eigenem kleinen Medium. Man arbeitet am eigenen Personalbrand. Je bekannter man wird, umso besser. Ein namhafter Journalist wird am Ende sogar in der Arbeitswelt entsprechend besser entlohnt. Aber es gibt einen Haken.

Allein die Registrierung in einem Netzwerk reicht nicht. Man muss auch populär werden, in dem man viele Follower erhält. Interessanterweise geht es nicht nur um Fans. Es geht auch um Hater bzw. Kritiker. Man braucht mehr Reaktionen, damit man mehr Reichweite schafft. Ob die Reaktion positiv oder negativ ist, spielt eher eine zweitrangige Rolle. Die Reaktionsweite zählt.

Aber wie schafft man es, berühmt zu werden? Die leichteste Lösung wäre Geld für Werbung auszugeben. Aber das kostet viel. Die Preise bei Twitter beginnen bei 45 Euro und damit schafft man auch nur ein paar Tausend Impressionen.

Daher versuchen die Journalisten irgendwie selbst und ggf. kostenlos berühmt zu werden. Dabei agieren sie privat, dennoch erwähnen sie immer wieder für wen sie geschrieben haben oder wo man aktuell arbeitet. Das ist verständlich. Kein Mensch wird Max Mustermann aus Berlin folgen, egal wie gut er schreibt. Aber jeder Max Mustermann, der für Bild, Spiegel oder SZ schreibt, wird automatisch interessant(er). Deshalb erwähnen viele Journalisten, dass sie "privat" unterwegs sind, aber gleichzeitig werden die Arbeitgebernamen oft akribisch aufgelistet.

Die Arbeitgeber unterstützen das auch, denn populäre Journalisten sorgen für mehr Reichweite der Medien. Die eine oder andere falsche Interpretation oder seltsame Äußerung, die irgendwann einmal für Skandale sorgen wird, ist so gut wie vorprogrammiert. Aber damit kann man leben. Schlechte PR ist besser als gar keine, und der Zweck heiligt die Mittel.

Dabei wird polarisiert, diskutiert und heftig konfrontiert. Hier darf man keine Ausnahmen machen. Und es ist auch nicht schlecht. Denn soziale Medien sind so eine Art Diskussionsplattform. Es ist leichter bei Twitter zu kämpfen, als im Krieg.

Bei den Politikern ist es genauso. Viele Politiker twittern plakativ privat, wie z.B. Sawsan Chebli (SPD). "Hier privat" meinte sie, aber von ihrem Account aus entstehen zahlreiche Diskussionen rund um die SPD und Politik im Allgemeinen.

"Hier privat": Politiker und Journalisten meinen es ernst

Dabei nehmen viele Donald Trump als ihr großes Vorbild, denn er zeigte, wie man selbst mit einem privaten Twitter Account die Politik beeinflussen kann. Er ging sogar weiter und blockierte mehrere seiner Opponenten. Das wurde ihm im Gericht untersagt, denn es geht nicht um seinen privaten Account, sondern um den Account eines US-Präsidenten. @realDonaldTrump ist damit beschränkt privat.

Eigentlich wäre es logisch, wenn es in Deutschland genauso wäre. Die Politiker dürfen nicht blockieren, wenn sie Politik machen möchten. Beamte müssen mit allen Bürgern in Kontakt treten können. Die Politiker müssen es auch hinnehmen, dass man nicht nur mit Wählern kommunizieren muss, sondern auch mit seinen Opponenten.

Und wie ist es mit Journalisten? Darf ein Journalist von ARD oder ZDF seine Opponenten blockieren? Ja, man arbeitet nämlich nicht direkt für den Staat. Aber indirekt schon.

Bei uns sind wir noch nicht so weit, Politiker und Journalisten blockieren gerne ihre Opponenten. Wenn die Argumente nicht ausreichen, kann man schließlich die Gesprächspartner sozusagen einfach ausblenden.

Aber bei uns ist es in der Medienwelt nicht so streng wie in den USA. Deshalb twittert bei uns jeder wie Trump, aber ohne Konsequenzen wie für Trump. Egal ob Politiker oder Journalist. Im schlimmsten Fall erklärt man eigene Internetpräsenz für privat und das war’s.

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