KI-Frage auf dem #DigitalGipfel18: Künstliche Debatte rund um Intelligenz

In diesem Jahr prägte der Begriff "Künstliche Intelligenz" den #DigitalGipfel in Nürnberg. Viele Politiker und Prominente waren eingeladen. Es wurde viel über ethische Fragen diskutiert. Warum eigentlich?

Bundeswirtschaftsminister Altmaier lud für den 3. und 4. Dezember 2018 zum ersten Digital-Gipfel der neuen Legislatur nach Nürnberg ein. Bereits vor ein paar Wochen wurde auch über staatliche Förderungen für KI berichtet – der Staat verspricht bis zu 3 Milliarden Euro in die KI-Entwicklung bis 2025 zu investieren. Es wird erwartet, dass der Standort Deutschland auf dem KI-Markt wettbewerbsfähig bleibt.

So oder so geht es weitere staatlichen Subventionen und die Schaffung künstlicher Strukturen. Einerseits bleiben die Steuereinnahmen auf Rekordniveau. Andererseits versucht der Staat die entstandenen Investitionslücken, die bei den Firmen wegen höherer Steuerbelastung entstanden sind, selber zu decken. Ob 3 Milliarden für die gesamte Branche ausreichend sind. Keine Ahnung! Aber die Regierung investiert kräftig und über die KI spricht so gut wie jeder Politiker. Der Steuerzahler macht ungefragt mit – schließlich ist es doch in unserem Interesse. Und selbstverständlich geht alles auf unsere Kosten.

Und das ist das eigentliche Problem. Aus einem rein wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Begriff ist plötzlich ein politischer Begriff (sprich Buzzword!) geworden. Die gefühlte Hälfte der Texte, Meinungen oder Talkshows über KI versucht über die rein philosophischen Themen zu diskutieren, ohne jemals einen Mathe-Professor in eine Runde einzuladen und zu befragen.

Dabei wird KI nicht als Chance für mehr Wohlstand und Entwicklung angesehen, sondern als reine Gefahr oder Herausforderung für unser Leben. Ist es noch unser Leben, wenn die Maschinen für uns die Entscheidungen treffen? Man kann sich haufenweise solche philosophischen Fragestellungen ausdenken – und genau das wird gemacht.

So konnte man auf dem #DigitalGipfel18 folgende Diskussionen mitverfolgen:

"Die Zukunft von Künstlicher Intelligenz in Afrika – Zwischen ethischen Herausforderungen und wirtschaftlicher Entwicklung"

"Ist die Gesellschaft bereit KI-Technologien anzunehmen?"

"Digitale Ethik für Künstliche Intelligenz in Deutschland und Europa – Gibt es einen europäischen Weg, unabhängig von Amerika und Asien?"

"Datenethik bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz" usw.

Dabei diskutieren fast ausschließlich Politiker, Juristen und Wirtschaftstheoretiker in einem selbst verliebten Modus über KI. Gender-konforme KI? Rechts-konforme KI? Datenschutz-orientierte KI? Altersgerechte KI? Arbeitnehmer-orientierte KI?

Wenn man der Diskussion auf Twitter folgt, wird sofort klar, wohin es führt: KI wird ausgeblendet, es wird oft laut am Thema vorbeidiskutiert.

Hätten wir im Jahr 2000 ein DigitalGipfel gehabt, dann hätte man sich damals fragen können, ob die baldige Entstehung von Wikipedia im Jahr 2001 unser Leben besser macht? Die Folge war, dass sich die Bibliothekssäle geleert haben, Menschen viel weniger und viel schneller lesen. Das Wissen wird dabei schlicht vulgarisiert. Der wissenschaftliche Wert vieler Magister- oder Doktorarbeiten werden dabei durch die kurze frei verfügbare Zusammenfassung marginalisiert. Man kann gerne weiter philosophieren, jedoch enstand Wikipedia trotzdem, ohne uns zu fragen. Es wurde auch nicht staatlich subventioniert. Es ist einfach da.

Als Ingenieur würde ich gerne unsere Politiker, Journalisten und Publizisten beruhigen. KI ist schon längst in der Welt. Ob es Smartphone, Apps oder Zalando heißt. Algorithmen, Strukturen, Netzen, Modelle, Markow-Ketten, etc. – das alles gibt es bereits. Es wird auch weiter entwickelt, ohne sich mit komplexen in Deutschland produzierten Fragen zu befassen. Es ist nur die Frage, ob wir es noch schaffen werden, bei diesen Technologien im internationalen Wettbewerbsvergleich mithalten zu können.

Laut Digital-Agenda werden künftig neue 100 KI-Professoren angestellt. Der Ansatz ist lobenswert, aber auch fragwürdig. Wem nutzten diese neuen Lehrkräfte, wenn die Zielgruppe, also die Studenten, nicht vorhanden sind?

Wir können die Ergebnissen von studentischen und schulischen Wettbewerben anschauen und feststellen, dass wir kontinuierlich schlecht abschneiden.

Internationale Mathematik-Olympiade, IMO-2018 (Link)
Land Punkte Rang
USA 212 1
Russland 201 2
Volksrepublik China 199 3
Ukraine 186 4
Thailand 183 5
Taiwan 179 6
...
Mongolei 132 30
Deutschland 131 31
Armenien 130 32

(Bem.: Die gleichen schlechten Ergebnisse in der Informatik, IOI-2018)

Bevor wir die KI-Professoren anstellen, müssen wir KI-fähige Studenten, Abiturienten und Lehrer haben. Die 3 Milliarden, die uns heute für die KI zur Verfügung stehen, werden die Probleme der Zukunft nicht lösen.

Künstliche Intelligenz braucht keine künstliche Debatte und kein künstliches Interesse. KI ist an sich auch einfach nur menschlicher Intelligenz. Und die "künstliche" Intelligenz ohne Freiheit der Gedanken und Ressourcen ist schlicht nicht möglich. Daher plädiere ich in der KI-Debatte zu mehr Deregulierung und allgemeine Entbürokratisierung. Zusammen mit der Reduzierung der Steuerlast würde das viel mehr bringen. Man muss keine künstlichen Ängste schüren. Man braucht eine natürliche und gezielte Kinder- und Lernförderung. Und die Intelligenz wird von alleine kommen. Von alleine und ohne Debatten.

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