Captain Growth: von AI-Startup zu einem Millionen schweren Deal innerhalb 2 Jahren

Täglich werden sie gegründet, doch nur wenige von ihnen überleben. Die Rede ist von Startups. Und auch nur ein Bruchteil davon wird so erfolgreich, dass sie einen Exit im Millionenbereich erreichen. KI-Startup Captain Growth brauchte dafür weniger als 2 Jahre.

KI und Digitalisierung werden langsam aber sicher zum Unwort des Jahres. Viele sprechen gerne über KI, denn es ist zu einem Buzzword geworden. KI klingt sehr verlockend für Investoren und Journalisten. Blockchain ist schon fast vergessen, jetzt geht es nur noch um KI :) Mit den ethischen Fragen zur KI beschäftigt sich sogar die Politik. Was früher eine Excel-Datei mit einem Makro war, ist heute schon zu einem KI-Instrument geworden.

KI ist populär, aber was bedeutet das in Wirklichkeit? Eigentlich geht es um ganz langweilige Themen wie angewandte Mathematik, viel Statistik, künstliche neuronale Netze und viele Auswertungen. Es geht lediglich um die Mathemathik, wie Captain Obvious dazu gesagt hätte.

Die Geschichte von Captain Growth

Die zwei Gründer Dmytro Bilash und Dmytro Pleshakov hatten schon ein erfolgreiches Digital Agency in der Ukraine. Hier sammelten sie Erfahrungen in der Online-Marketing-Branche. Der Markt in der Ukraine ist recht klein und alle suchen nach Kunden in Europa oder in den USA. Anfang 2017 begannen sie ein Analysetool für Online Werbung zu entwickeln.

Captain Growth ist eine klassische KI-Anwendung. Es werden Marketing Ausgaben und Content der Werbekampagne analysiert. Aus einer Sammlung von Werbedaten gewinnt man Fakten. Die Firma nennt es Insights – es geht um die Analyse von Datenanomalien, die helfen, das Werbebudget zu optimieren. Die Korrelationen und Abhängigkeiten entstehen aus der Auswertung der mehrdimensionalen Datenreihen, die man sonst mit keiner Excel-Analyse erkennen kann.

KI-Startup Captain Growth sucht nach Insights

Solche Insights sind schwer zu erkennen, aber KI mit data science helfen eine richtige Publishing Strategie zu wählen. Aktuell arbeitet man anscheinend mit den Daten der Werbekampagnen von Facebook Ads und Google AdWords/Analytics.

Millionenschwerer Exit

Captain Growth hat nur 8 Mitarbeiter, dennoch weist die Firma mehr als 300 Kunden aus – es sind Werbeagenturen, Geschäftsinhaber und Marketingspezialisten aus den USA, Europa und Asien, davon weniger als 10% aus Deutschland. Die Werbeausgaben von aktiven Kunden liegen im Durchschnitt bei $3000 pro Monat und mehr.

Das israelische Adtech-Unternehmen Perion Network bemerkte den Aufstieg des KI-Startups und kaufte sie den Ukrainern für stolze 3,75 Millionen Dollar ab. Die Summe wurde zum Teil sofort bezahlt und der Rest wird innerhalb von zwei Jahren beglichen, wenn die gewünschten KPIs erreicht sein werden.

Perion ist ein börsenorientiertes Unternehmen (NASDAQ: PERI) mit einem jährlichen Umsatz von über 300 Millionen Euro. Die Tools von Captain Growth erweitern die Produktpalette der digitalen Werbeagentur Undertone, die im Jahr 2017 für 180 Millionen Dollar von Perion Network ebenfalls gekauft wurde.

Die Investoren erkannten sehr früh das Potenzial von Captain Growth. Außerdem haben die Israelis keine Angst, auf dem ukrainischen Markt zu arbeiten. Hierbei helfen viele jüdische Auswanderer aus der Ukraine, die in Israel Geschäfte machen. Beide Länder sind es gewöhnt, in einem permanenten Krisenzustand zu leben. Das könnte manche deutsche Investoren nachdenklich machen, denn diese bemerken die osteuropäischen Märkte oft nicht oder haben einfach nicht genug Expertise.

Die ukrainischen Gründer hätten auch eine andere Strategie wählen können, in der man versucht, so lange wie möglich auf die eigenen Kräfte zu setzen. Ob es geklappt hätte, kann man jetzt nur spekulieren. Für einen Erfolg bräuchte man sowieso neue Niederlassungen in den USA oder Europa, weitere Investitionen für die Entwicklung, Forschung und Kundenakquise – hier könnte die Arbeit mit einem erfahrenen Partner wie Underton helfen.

Perion Network hat sehr klug gehandelt. Hätte man den richtigen Zeitpunkt verpasst, wäre Captain Growth zu groß für eine Übernahme gewesen und andere Investoren hätten die Firma für sich entdecken können. Lieber schlau beim Start investieren, anstatt zu lange zu warten.

 

Photos aus Captain Growth

Das könnte für Sie auch interessant sein...
  • Generic placeholder image
    Digitalsteuer in Europa - warum es keine gute Lösung geben kann
    Die Einführung der Digitalsteuer in Europa ist gescheitert. Die Wünsche nach einer Sondersteuer für Digitalunternehmen wie Google oder Facebook sind geblieben. Die EU-Staaten wollen sich ihren Anteil am IT-Kuchen sichern, der aktuell zum größten Teil an die Amerikaner geht.
  • Generic placeholder image
    China vs. Deutschland: Kampf um Aufträge auf dem ukrainischen Markt
    Die Energiewende führt dazu, dass man in Deutschland genug Strom produziert. Die alten Kraftwerke sind immer noch im Betrieb, dazu kommen neue Windräder und Solaranlagen. Deutschland exportiert den Strom, aber mit jedem Jahr wird er immer teurer. Die Preise werden weiter steigen. Der Ausstieg aus der Kohleproduktion wird uns irgendwann dazu zwingen den Strom in großen Mengen zu importieren.
  • Generic placeholder image
    IT-Branche auf Wachstumskurs
    Die ukrainische IT-Branche wächst seit Jahren. Eine gute Konjunktur und viele Aufträge sorgen für neue Arbeitsplätze. Es werden Ingenieure geschult, gesucht und gefunden.
Kommentare
We are looking for projects

If you have experience in using outsourcing or you can advise a firm

Contact us!